Unter der Schirmherrschaft des Programms AvantAge, das an Pro Senectute angegliedert ist und von Costantino Serafini geleitet wird, ist im Verlag Favre ein «Weissbuch» über Senioren in Unternehmen erschienen. Das Sammelwerk zielt darauf ab, Vorurteile gegenüber Arbeitnehmenden ab 55 Jahren abzubauen, was ganz im Sinne der Philosophie von Activis ist.
In dem Kapitel, das Edouard Comment in Les seniors en entreprise: plus que jamais indispensables (Seniorinnen und Senioren in Unternehmen: mehr denn je unverzichtbar) ins Rampenlicht rückt, spart dieser nicht mit Ratschlägen für diejenigen, die wie er nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters weiterarbeiten möchten. Seine erste Empfehlung? «Sich so früh wie möglich auf den Ruhestand vorbereiten, etwa mit 50 Jahren, und sich fragen, welchen Sinn man seinem Leben nach 65 Jahren geben will», sagt er. Das berufliche Netzwerk, Freundschaften, all das sei ebenfalls wichtig, so der Berater. Seine Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen werden in diesem sehr heiteren Selbstporträt wahrscheinlich die Person wiedererkennen, mit der sie im Laufe der Jahre in verschiedenen Positionen und in mehreren Unternehmen zusammengearbeitet haben. Im Übrigen beschreibt er sich selbst als «begeisterungsfähigen, positiven Menschen», als «Kontaktperson», wobei er betont, dass er nie versucht habe, «wieder eine Arbeit zu finden», sondern vielmehr, «nicht mit dem Arbeiten aufzuhören», als er die Altersgrenze für den Ruhestand erreicht hatte.
Edouard Comment ist Senior HR-Berater bei der Interiman Group. Sein Beitrag zum Weissbuch, das auf Initiative des Programms AvantAge, das Pro Senectute angegliedert ist und von Costantino Serafini geleitet wird, im Verlag Favre veröffentlicht wurde, erinnert an die Überzeugung von Raymond Knigge, dem Gründer der Interiman Group: «Das Alter ist nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium für Menschen, die ihre berufliche Tätigkeit verlängern möchten.» Schon lange bevor er 2023 das Unternehmen Activis für ältere Mitarbeitende gründete, war Raymond Knigge von der Bedeutung älterer Menschen für die Schweizer Wirtschaft und der Notwendigkeit, ihnen den Platz einzuräumen, den sie verdienen, überzeugt. Sein Credo? «Das Alter sollte kein Hindernis für Menschen sein, die beruflich aktiv bleiben wollen», sagt er.
Der berühmteste ältere Arbeitnehmer
Diese Ansicht wird von einer wachsenden Zahl von Entscheidungstragenden geteilt, auch wenn es stimmt, dass sich die persönlichen Einstellungen noch ändern müssen. Das Ende 2025 erschienene und weit verbreitete Buch beginnt mit einem Vorwort des berühmtesten älteren Arbeitnehmers der Schweiz, der im Alter von 56 Jahren in einer der anspruchsvollsten und exponiertesten Positionen eingestellt wurde, die es gibt: Bundespräsident Guy Parmelin. Er ist der Ansicht, dass Alter und Erfahrung seine besten Verbündeten sind, und betont gleichzeitig, dass sich die Wahrnehmung der über 55-Jährigen in der Arbeitswelt ändern muss. In einem seiner zahlreichen Beiträge relativiert Costantino Serafini die Kritik an Seniorinnen und Senioren, denen bisweilen vorgeworfen wird, an einem überholten, stark vergangenheitsbezogenen Status festzuhalten, und er erinnert daran, dass sie aus einer Welt stammen, in der Loyalität gegenüber Arbeitgebenden und/oder einem Beruf die Regel war. Ihre Vorteile? Know-how und Expertise sowie die Fähigkeit vieler, sich neu zu erfinden, insbesondere durch Weiterbildungsmassnahmen, die in jedem Lebensalter unverzichtbar geworden sind. Im Wesentlichen ermutigt er die Unternehmen, sich frühzeitig für diese qualifizierten Arbeitskräfte zu interessieren, da die Alterung der Bevölkerung und der bevorstehende massive Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand bis zum Jahr 2040 einen zunehmenden Mangel an Talenten erwarten lassen.
Activis und seine Praxiserfahrung
Das Buch geht auch auf die Ergebnisse einer 2024 von MIS Trend durchgeführten Umfrage unter 433 Westschweizer Unternehmen ein, die bestätigt, dass es für ältere Menschen schwierig ist, eine Stelle zu bekommen. Immerhin beschäftigen zwei von zehn Unternehmen keine Mitarbeitenden über 55 Jahre, während nur drei von zehn Unternehmen mehr als eine Person über 60 Jahre angestellt haben. Noch besorgniserregender: 22 % der befragten Unternehmen schliessen die Einstellung einer Person im Alter zwischen 60 und 65 Jahren aus, bei den über 65-Jährigen steigt dieser Anteil noch auf 52 %.
Wie steht es mit der Erfahrung in der Praxis? Aus Sicht des Unternehmens Activis bietet die Frage nach Seniorinnen und Senioren im Unternehmen einen Einblick in das, was Personalverantwortliche täglich beobachten. Es ist eine Tatsache, dass man sich im Rentenalter nur selten beruflich neu erfindet. Die Unternehmen bevorzugen nämlich eher die Verlängerung bestehender Verträge als die Rekrutierung neuer älterer Talente, insbesondere wenn diese nicht über echte Expertise verfügen. Auch wenn sich die digitale Rekrutierung manchmal als problematisch erweist, gibt es dennoch konkrete Hebel, um diejenigen zu unterstützen, die ihre Tätigkeit über das gesetzliche Rentenalter hinaus fortsetzen möchten.
Die Praxiserfahrung von Activis zeigt, dass dieser Übergang von einer vorausschauenden Planung profitiert. In den meisten Fällen sind die Seniorinnen und Senioren, denen es gelingt, aktiv zu bleiben, diejenigen, die sich schon lange vor dem offiziellen Renteneintritt Gedanken über ihren weiteren Lebensweg gemacht haben. Die Planung des Karriereendes, die schrittweise Anpassung der Aufgabenbeschreibungen oder auch die Reduzierung der Arbeitszeit sind allesamt Möglichkeiten, um eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Unternehmen und seinen erfahrensten Mitarbeitenden aufrechtzuerhalten. Umgekehrt erweist sich die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt nach einer abrupten Beendigung des Arbeitsverhältnisses oft als komplex, da sich die Regeln der Rekrutierung im Laufe der Jahrzehnte stark verändert haben.